
Sowohl bei der Grenzüberquerung von Österreich in die Slowakei, als auch einige Kilometer später von der Slowakei nach Ungarn, wurden wir daran erinnert, dass wir zwar immer noch in Europa sind, sich die Welt aber, wie wir sie bis jetzt kannten, langsam ändern wird. Als erstes waren da die verlassenen Grenzübergänge zwischen den jeweiligen Ländern. Durch den Beitritt der Slowakei und Ungarn zu der EU überflüssig geworden, erweckten sie den Anschein, als ob das Personal an ihrem letzten Arbeitstag die Gebäude einfach verlassen hat ohne das Licht auszuschalten. Die Szene glich einem Film: Die Türen standen offen und aus den eingeschlagenen Fensterscheiben wehten die Gardinen heraus. Doch das war erst der Anfang von dem uns erwartenden Kontrast zwischen Alt und Neu in Ost-Europa.
In den groesseren Städten und Dörfern in Ungarn sind Aldi, DM und Bauhaus anzutreffen, neue VWs und Audis verdrängen langsam die alten Trabbis und Renaults. Auf den Dörfern hingegen scheint die Zeit etwas langsamer zu vergehen. Kleine Geschäfte in der Ortsmitte bilden hier noch den zentralen Treffpunkt, zu denen jeder auf seinem alten Fahrrad oder mit dem Moped zum einkaufen kommt. Die Häuser sind kleiner als in Deutschland und Österreich und fast immer einem kleinen Garten umgeben, in denen Gurken, Tomaten etc. wachsen. Recht oft hört man Hühner gackern. Das Landschaftsbild ist stark von Landwirtschaft geprägt. Den groessten Unterschied zu unserer bisherigen Reise stellten jedoch die Strassenbedingungen und die (nicht vorhandene) Ausschilderung dar. Der Donauradweg verläuft in Ungarn nicht direkt neben der Donau, sondern windet sich auf Feldwegen von Dorf zu Dorf. Da wir nach einem heftigen Regenfall in Ungarn ankamen, waren die tiefen Schlaglöcher auf den Wegen mit Wasser und Schlamm gefüllt. Hinzu kam noch das Verschwinden von allen Fahrrad- und nahezu allen Dorf- und Strassenschildern hinzu. Schnell realisierten wir, dass unsere Tage mit einfacher Navigation endgültig vorüber waren. Genau wie die Navigation, so wurde auch die Kommunikation schwieriger. Die ungarische Sprache entstammt dem finnischen Sprachraum und ist somit mit kaum einer anderen europäischen Sprache verwandt. Keiner von uns beiden verstand auch nur ein Wort und so fingen wir schnell an, zumindest ein paar Worte - wie Hallo, Danke, Bitte etc. - zu lernen. Dadurch und durch die Tatsache unterstützt, dass einige ältere Menschen in Ungarn Deutsch sprechen, kamen wir jedoch ganz gut zurecht.
Nach vier Tagen erreichten wir Budapest, wo wir uns mit Marios Eltern getroffen haben. Wir haben eine kleines Apartment in der Innenstadt gefunden, was sich nach einem Monat Camping wir Luxus anfühlte – besonders, da wir sogar eine eigene Kaffeemaschine hatten! Schnell fühlten wir uns heimisch und wir begannen zusammen mit Franz und Marie-Luise die Stadt zu erkunden.
Die Skyline von Budapest ist geprägt durch das markante Parlamentsgebäude auf der linken Seite der Donau und durch einen Schlosskomplex auf der anderen Seite. Wir erkundeten die Museen und Kirchen der Stadt und bekamen sogar die Hand des heiligen Sankt Stephan zu sehen, welche in einer mit Diamanten besetzten Glasvitriene im Stephans Dom liegt (sieht ein bisschen eklig aus, um ehrlich zu sein). Nahezu vergeblich haben wir in der Stadt nach traditioneller ungarischer Küche gesucht. Budapest hat den Kapitalismus mit offenen Armen empfangen: An jeder Ecke gibt es McDonalds, Starbucks und Co., italienische und indische Restaurants, aber kaum ein Restaurant mit ungarischen Spezialitäten, das nicht extrem touristisch ist. Nach langem Suchen haben wir dann doch ein Restaurant gefunden, das ungarische Gerichte servierte. Dennoch verspeisten unser Gulasch zu Songs wie „New York, New York“ und „Guantanamera“. Abgesehen von der vielen Polizei in den U-Bahn Stationen, haben wir in Budapest wenig von Ungarns kommunistischer Vergangenheit gesehen. Dieser Part der Geschichte ist jedoch gut im Memento Park festgehalten. Dabei handelt es sich um eine Art Friedhof für alte kommunistische Denkmäler. Im Gegensatz zu anderen Teilen der Welt, wurden die Denkmäler hier nicht zerstört. In Budapest stehen diese wohl erhalten in einem Park. Die teilweise imposanten Statuen vermitteln ein Gefühl der Unterdrückung. Man kann sich vielleicht vorstellen, wie man sich fühlt unter einem 8 Meter grossen russischen Soldaten mit bösem Blick zu stehen…
Nach einer langen Pause in Budapest sagten wir (wieder) „auf Wiedersehen“ zu Marios Eltern. Beim Verlassen von Budapest machten wir den Fehler, am späten Nachmittag loszufahren. Somit mussten wir uns in dieser weit weniger fahrradfreundlichen Stadt (im Vergleich zu Wien oder Frankfurt) durch den Feierabendverkehr kämpfen. Aber, nach einigen Stunden hatten wir uns unseren Weg durch den Verkehr gebahnt und wir setzten unsere Reise durch Ungarn fort. Im Gegensatz zum Donauradweg vor Budapest, verlief er hinter Budapest grösstenteils auf Dämmen und wir genossen wunderschöne Ausblicke auf die Donau. Hier war es auch, wo wir unseren ersten und einzigen Platz zum zelten direkt am Donauufer gefunden haben. In einer anderen Nacht haben wir unser Zelt in der Mitte eines Schaaf-Pfades aufgestellt. Von einem Moment auf den anderen waren wir mit einer Wand aus Schafen, die um die Ecke gebogen kam, konfrontiert. Die Schafe blieben einen Moment verdutzt stehen als sie uns in der Mitte ihres gewohnten Weges sahen, setzten ihren Weg jedoch fort und kamen genau auf uns zu. Als der Schäfer um die Ecke kam und uns sah, dirigierte er seine Hunde mit einigen Pfiffen so, dass sie die Schafe um uns herum führten (was sehr beeindruckend zu sehen war). Anschliessend kam er zu uns, um sich mit uns zu unterhalten. Leider konnten wir nicht viel von dem verstehen, was er sagte, aber dennoch haben glauben wir ihm mit Händen und Füssen von unserer Reise erzählt zu haben. Auf seine Bedenken hin, dass es in der Nacht zu kalt für uns draussen im Zelt werden würde, zeigten wir ihm unsere High-Tech Campingausstattung. Bevor er mit seiner Herde weiter zog, holte er eine neue 2-Liter Flasche Rotwein aus seinem Rucksack, öffnete diese und bot uns an einen Schluck zu nehmen. Dies war die erste von vielen freundlichen, grosszuegigen und neugierigen Begegnungen, die wir in Osteuropa machten.
Auf unserem weiteren Weg zur serbischen Grenze, kamen wir in das ruhige Dorf Hercegsanto. Dort waren wir auf der Suche nach einem Internetcafe. Das Gemeindehaus hatte einige Computer mit Internetanschluss, war jedoch geschlossen. Zu unserem Glück war der Leiter dort und er erlaubte uns die Computer so lange zu benutzen, wie er da war. Kurz darauf kam ein gebürtiger Franzose herein, der uns ganz enthusiastisch das Bild einer grossen Marien Staue auf einem Bildschirm zeigte. Diese ist das Wahrzeichen des Dorfes: mit über 10 Metern die grösste Marien-Statue der Welt. Die Statue steht zwei Kilometer ausserhalb des Dorfes inmitten von Maisfeldern. Obwohl es über 35 Grad waren und einen Umweg für uns bedeutete, haben wir sie natürlich dennoch besichtig. Unter folgendem Link könnt auch ihr einen Blick auf sie werfen: http://www.vodicamariakert.hu/
Wenige Kilometer weiter passierten wir die Grenze nach Serbien, unser erstes nicht-EU Land auf unserer Reise. Obwohl Serbien grosse Teile seiner Geschichte mit Ungarn gemeinsam hat, wäre es unfair, alle ehemaligen Länder Yugoslaviens zusammen mit Ungarn in einen Topf zu schmeissen. Daher ist der nächste Artikel über die ehemaligen Länder Yugoslaviens.
Seitenanfang, Ungarn , ehemaliges Yugoslavien, Bulgarien
Die Donau bildet grosse Teile der Grenze zwischen Kroatien und Serbien: zwei Nationen, die einst Teil des ehemaligen Yugoslavien und vor weniger als 20 Jahren noch Schauplatz eines brutalen Bürgerkriegs waren. Dennoch haben wir in beiden Ländern die bis jetzt gastfreundlichsten und grosszügigsten Menschen auf unserer Reise getroffen. Durch diese so positiven Erfahrungen war es für uns schwer vorzustellen, dass sich diese Nationen noch vor wenigen Jahren im Krieg befunden haben.
Wie bis jetzt bei jeder Grenzüberquerung sind wir in Kroatien ohne Geld in der Landeswährung angekommen. Es war früher Morgen und wir hatten noch nicht gefrühstückt, unsere Wasservorräte neigten sich dem Ende zu und es waren schon über 30 Grad (im späteren Verlauf des Tages wurden es über 38 Grad). Wir brauchten also Bargeld und hofften, dass an der Grenze eine Wechselstube ist. Aber: Fehlanzeige. Die Zöllnerin empfahl uns eine Bank, über 20 km entfernt und auch noch in der entgegengesetzten Richtung in die wir fahren wollten. Aber wir hatten keine andere Wahl und so traten wir in die Pedale. Im nächsten Dorf, 8 km weiter entdeckte Mario an der Tür eines kleinen Lebensmittelgeschäfts ein MasterCard-Logo. Erfreut über unser Glück zuckten wir unsere Kreditkarte und stockten unsere Vorräte an Lebensmitteln und Wasser auf, bevor wir die 8 km zurück und dann durch den Kopacki rit National Park fuhren.
Mit genügend Vorräten in den Taschen genossen wir die herrliche Landschaft entlang der Donau. Der Kopacki rit National Park ist einer der wenigen Abschnitte, in denen die Donau auf natürliche Weise fliesst: unbegradigt und mit weitläufigen Feucht- und Überschwemmungsgebieten neben dem Hauptstrom. Leider ist diese Natur nicht ganz unberührt, wie die Schilder mit einem Totenkopf und zwei Knochen verrieten. Im Bürgerkrieg in den 90 zigern wurden hier, wie auch in vielen anderen Gebieten Landminen vergraben. Die Regierung ist seid über 15 Jahren damit beschäftigt, diese zu lokalisieren und zu beseitigen. An einigen Tagen hörten wir sogar die Exlplosionen gefundener Mienen in der Ferne und an einem anderen Tag sagen wir ein in Sektionen eingeteiltes Areal, auf denen nach Mienen gesucht wurde. Dies waren aber leider nur einige von vielen Hinweisen auf den Krieg.
Doch, während wir noch im Park waren und nicht vom gekennzeichneten Weg abwichen, konnten wir die Ruhe und Schönheit der Feuchtgebiete und die in ihnen lebenden Tiere geniessen. Wir sahen Rehe im Wasser baden, zwei Baby-Wildschweine kreuzten genau vor uns den Weg um zu ihrer Mutter und Geschwistern aufzuschliessen und wir sahen eine eine Vielzahl von Vögeln, unter anderem auch Weissschanz-Adler, die ihre Kreise über unseren köpfen zogen. Am Ufer sitzend sahen wir ebenfalls haufenweise Wasserschlangen (ungiftig), Frösche und Kaulquappen, sowie ein gutes dutzend Kormorane.
Auf unserem weiteren Weg fuhren wir an einigen sehr heissen Tagen durch Städte und Dörfer, die wie Denkmäler an den Krieg erinnerten. Viele Häuser hier waren übersät mit Granaten- und Einschusslöchern. Den dramatischsten Anblick bot Vukovar, wo sich im Krieg die Yugoslavische Armee und eine selbstorganisierte Milz erbitterte Kämpfe lieferten. Wie ein Monument steht hier der schwer beschädigte Wasserturm am Ortsausgang. Keiner von uns beiden hatte so etwas in seinem Leben je gesehen und so verliessen wir die Stadt mit unterschiedlichen Gefühlen. Wir waren schockiert, dass am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts Konflikte immer noch mit Waffen ausgetragen werden und sich Menschen gegenseitig soviel Leid antun. Und wir empfanden Dankbarkeit, dass wir niemals einen Krieg im eigenen Land miterlebt haben.
Wie üblich für die Erfahrungen im ehemaligen Yugoslavien, war der nächste Tag sehr schön. Am Morgen trafen wir einen jungen Kroaten, der uns zum Kaffee einlud und mit uns über Reisen und viele andere Dinge des Lebens redete, wir besichtigten einen grossen Weinkeller der in einen Felsen unterhalb einer Burg gehauen war und wir wurden von einer Nonne gesegnet, als wir uns kurz eine Kirche angeguckt haben. Bei der Ausreise äusserte der Grenzbeamte seine Bedenken, an einem so heissen Tag mit dem Fahrrad zu fahren (es waren wieder zwischen 35 und 40 Grad) und in Serbien wurden wir von Bauern begrüsst, die von ihren Traktoren winkten und auch viele Autofahrer hupten ganz freundlich, wenn sie uns überholten. Die weitere Reise durch Serbien sollte so freundlich bleiben: In Banatski Bretovac versuchten wir nach einem heissen 115 km-Tag an einem Brunnen unsere Wasserflaschen zu füllen, als uns eine freundliche Familie sah und uns prompt zu Ihnen nach Hause auf ein Getränk einlud. Einige Stunden, 2 Schnäpse vom guten Selbstgebrannten (Trauben hierzu natürlich aus eigener Herstellung), einer Tasse Kaffee und einigen Stücken Kuchen später machten wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Campingplatz für die Nacht. Im Gepäck noch einen halben Liter Schnaps für unterwegs und im Kopf die Erinnerungen an einen netten Abend mit guten Unterhaltungen. Solche Gastfreundlichkeit sollte keine Seltenheit bleiben – eine Frau in einer Bäckerei lud uns auf einige Getränke ein, eine andere Familie stoppte uns in der Mitte auf der Strasse, um uns einige Pfund frisch gepflückte Kirschen zu geben. Immer wieder waren wir von der Gastfreundlichkeit und Grosszügigkeit der Menschen beeindruckt. Durch die vielen netten Begegnungen lernten wir auch schnell, dass Serben nicht nur sehr freundlich aber auch sehr direkt sein können. Das beste Beispiel hierfür ist die Frau, die uns in einer Bäckerei auf ein paar Getränke eingeladen hat. Sie lebte einige Jahre in Deutschland und sprach dementsprechend gutes Deutsch. Als Sheri während der Konversation in einem deutschen Satz etwas ins Stocken geriet, zögerte die Frau nicht lange um mit einem Lächeln im Gesicht zu fragen „und warum ist dein Deutsch so schlecht ?“. Sheri hat es natürlich mit einem schmunzeln aufgenommen, es war überhaupt nicht böse gemeint. Sie hat das Kind nur beim Namen genannt. Aber könntet ihr euch vorstellen, dass jemand so eine Frage in Deutschland stellt ? Es wäre eine Beleiigung! Aber in diesem Zusammenhang war es einfach nur lustig und erfrischend.
Die Landschaft war in der ersten Hälfte von Serbien nicht anders als in Ungarn und Kroatien. Wir fuhren durch flaches Gelände mit viel Landwirtschaft, nur hier und da ein Dorf oder eine kleinere Stadt. In der zweiten Hälfte fuhren wir durch das das Eiserne Tor, das eine reizvolle Abwechslung bot. In dieser landschaftlich sehr schönen Gegend fliesst die Donau durch einen ca. 120 km langen Canyon. Die Strasse verläuft hier direkt am Rand des Canyons und führt durch ca. 20 Tunnel – einige von ihnen lang und ziemlich dunkel. Aber mit unseren fluroszierenden Bauarbeiterwesten waren wir in ihnen nicht nur ziemlich gut sichtbar, sondern sahen auch ziemlich lächerlich aus :-). Ansonsten bot uns der Weg tolle Aussichten und in den kristallklaren Quellen am Strassenrand füllten wir nicht nur unsere Wasserflaschen wieder auf, sondern konnten es auch nicht sein lassen uns wie die kleine Kinder nass zu machen. Am Ende des Canyons genossem wir mit Stefan und Marianne, einem deutschen Päarchen, ein kühles Bier und ein leckeres Abendessen. Die beiden fahren auf der gleichen Route wie wir zum Schwarzen Meer und so haben wir uns schon öfter auf dem Weg getroffen.
Das Eiserne Tor brachte uns nahe an die Grenze zu Bulgarien, das letzte Land auf unserer Reise ans Schwarze Meer.
Seitenanfang, Ungarn , ehemaliges Yugoslavien, Bulgarien
Der Grenzübergang zwischen Serbien und Bulgarien befindet sich im Nordwesten Bulgariens. Auch nach dem Passieren dieser Grenze fanden wir uns in einem kleinen Dorf wieder, wo wieder vergeblich nach einem Geldautomaten oder einer Unterkunft suchten. In weiser Vorraussicht hatten wir genügend Vorräte dabei. Sheri fühlte sich jedoch nicht gut und wollte einfach nur aus der Hitze und Schlafen. Da es an diesem Tag aber wieder 38 Grad waren, konnten wir nicht einfach unser Zelt aufbauen. Innerhalb weniger Minuten wäre es darin wärmer als in einem Backofen gewesen. So blieb uns leider nichts anderes übrig, als weiter zu radeln. So strampelten wir 30 Kilometer weiter bis zur nächst grösseren Stadt – Vidin. Zu unserem Glück fanden wir dort zu einem Spottpreis ein sehr nettes Hotel und um die Ecke gab es nette Restaurants mit leckeren Salaten und Pizza.
Am nächsten Tag trafen wir durch Zufall auf die Organisatoren von „Danube by bike“, einer Promotion-Veranstaltung für den Donauradeg, die den Dialog zwischen den Bewohnern Europas fördern soll. Gesponsort von der Europäischen Union fuhren die Teilnehmer aus ganz Europa fünf Tage einen Teil des Donauradwegs entlang. Wir trafen sie an ihrem zweiten Tag, an welchem ein grösseres Event in Vidin stattfand und wurden auf die Veranstaltung mit Tanz, Musik und reichlich Getränken und bulgarischem Essen eingeladen.
Am folgenden Tag setzten wir unseren Weg durch Bulgarien fort und bekamen eine Vorschau von dem, was uns auf den nächsten 700 km erwartete: eine hügelige Landschaft mit viel auf und ab. Obwohl wir überall Strassenarbeiten sahen und die Fahrbahndecke oft geflickt war, befanden sich die Strassen im Grossen und Ganzen in einem sehr schlechten Zustand. Immer wieder riefen wir uns „Schlagloch links“etc. zu, um nicht in so einem Loch die Felgen zu ruinieren oder gar zu stürzen. Allerdings war hier kaum Verkehr auf den Strassen, sodass wir nach langer Zeit endlich wieder ab und zu nebeneinander fahren konnten.
Auch hier verläuft der empfohlene Weg meistens weit von der Donau weg und so fuhren wir nicht am flachen Ufer entlang, sondern strampelten durch die Berge südlich der Donau. Der Weg in Rumänien verläuft durch wesentlich flacheres Terrain, jedoch haben uns genügend Horror Stories von frei laufenden Hunden, die Fahrradfahrer jagen und rücksichtslosen Auto- und LKW- Fahrern davon abgehalten, auf die flacherer Strecke umzusteigen.
Im nördlichen Part Bulgariens scheint die Wirtschaft schwer angeschlagen zu sein und hat sich noch lange nicht vom Zerfall der Sovietunion erholt. Überall sahen wir verlassene Fabrikgebäude mit eingeschlagenen Scheiben, Kühe die zwischen alten Lagerhallen herumliefen und mit Gras übersäte Parkplätze. Von einigen Leuten hörten wir, dass die meisten Fabriken mit dem Zerfall der Sovietunion praktisch über Nacht geschlossen haben. Fachkräfte verliessen das Land, mit dem Wegfall der Sovietunion gab es keine Abnehmer mehr und die Unternehmen konnten sich nicht schnell genug den neuen Gegebenheiten anpassen. Seitdem scheint hier nicht mehr viel zu passieren. Viele Menschen scheinen sich von dem zu ernähren, was sie in ihren Gärten und kleinen Feldern anbauen. Oft schon haben wir viele Männer um sieben Uhr morgens bei einer Flasche Bier gesehen. Restaurants und Unterkünfte gibt es hier so gut wie nicht (wie wir oft genug am eigenen Leib erfahren haben). Erstaunlicher Weise sprach nahezu niemand Englisch, denn auch heute noch wird in vielen Schulen russich unterrichtet. Positiv anzumerken ist, dass obwohl dieser Teil Bulgariens sehr arm zu sein scheint, es hier aber kaum wilden Müll gibt (im Gegensatz zu Serbien, wo man manchmal nicht genau weiss ob man sich auf einer Strasse oder einer Müllhalde befindet.).
Ein anderes Highlite in Bulgarien war unser Aufenthalt in Ivanonvo, nahe bei den Ivanovo Rock Churches im Roussenki Lom Natural Park. Dort übernachteten wir in der Polomie Lodge , die von einem super sympathischen Paar aus England und ihrem Sohn geleitet wird. Wir gönnten unseren múden Beine eine Auszeit vom radeln und besichtigten die Rock Churches (Kirchen, die vor 700 Jahren in die Felsen gehauen wurden), wanderten durch den Nationalpark und entspannten im Pool der Lodge. Abends wurden wir von unseren Gastgebern mit fantastischem Essen und reichlich Getränken versorgt und verbrachten so die Abende bis in die Nacht auf der Terasse und unterhielten uns und hatten jede Menge Spass.
Wehmütig verliessen wir diesen Ort, um die letzten zwei Tage dieses Etappenabschnitts anzutreten. Allerdings änderten wir unseren Plan ein bisschen und folgten nicht mehr der Donau nach Constanta, sondern fuhren von Ivanovo aus süd-östlich nach Varna.
Wir erreichen Varna am 3. Juli und wir wurden mit einem grossen Feuerwerk am Strand empfangen (OK, vielleicht war es nicht für uns bestimmt, aber zumindest stellten wir uns vor, dass es nur für uns war...). In den nächsten Tagen entspannten wir am Strand, assen und tranken reichlich und erkundeten Varna. Dabei hatten wirsogar das Glück einen orthodoxen Gottesdienst mitzuerleben, als wir gerade die Kirche besichtigen wollten. Die Messe wurde von verschiedenen Mönchen gehalten, die ihre Gebete hielten, Glocken läuteten und Weihrauch versprühten; das ganze begleitet von einem Chor andere Mönche und einer sich ändernden Beleuchtung.
Am 6. Juli sind wir mit einem Übernachtbus zum unserem letzten Ziel in Europa gefahren: Istanbul.