The slow lane



Nepal, 20.September 2009 - 20.November 2009


Nach einem Flug von Almaty, Kasachstan in Katmandu anzukommen, weckte unsere in Zentralasien etwas abgestumpften Sinne schlagartig wieder auf. Gab es in der ehemaligen Sovietunion nicht allzuviel zu entdecken, erlebten wir in Katmandu nahezu eine Reizüberflutung. Geräusche, Farben und Gerüche schmolzen zu einem einzigen Chaos zusammen. Wir fühlten uns irgendwie lebendiger und wussten direkt, dass es die richtige Entscheidung war nach hierhin zu fliegen und uns genügend Zeit in diesem wundervollem Land zu geben. Der Zeitpunkt war wettertechnisch perfekt, Der Monsum war gerade vorbei und es war noch nicht zu kalt.

Gluecklicherweise kannte Sheri ein paar Leute in Katmandu, mit denen wir eine wundervolle Zeit verbringen sollten. Bryan, ein Freund Sheris seit der grad school, der gerade seine Doktorarbeit schreibt und Bijan, ein Ex-Kollege von Sheris Job beim WWF. Bryan sorgte dafuer, dass wir bei den Joshis, einer Familie, die er schon seid Jahren kennt, wohnen konnten. Bei ihnen fuehlten wir uns von der ersten Minute an wie zu Hause. In den ersten Tagen genossen wir das Angebot und die Vielfalt Katmandus, besonders im Bezug auf das Essen. Endlich hatten wir wieder die Auswahl zwischen mehr als einer handvoll verschiedener Gerichte, es gab Staende mit frischen Fruechten und Obst undd sogar Baeckereien. Wir trafen uns einige Male mit Bryan und verbrachten einige Zeit mit den Joshis. Rama, die Mutter der Familie bekochte uns mit exzellentem Essen. Nach einigen Tagen sattelten wieder jedoch wieder unsere Fahrraeder und machten uns auf in Richtung Chitwan National Park. Kurz nach Sonnenaufgang waren wir bereits unterwegs, um der Rush hour zu entgehen. Dennoch waren die Strassen bereits um sechs Uhr voll. Busse deren Daecher sogar voll mit Menschen waren, Autos und Motorraeder draengten sich dicht an dicht auf der Strasse raus aus Katmandu, das ganze begleitet von staendigem Hupen. Es war Wahnsinn. Nach ungefaehr 15 Kilometern bogen wir auf eine unbefestigte Strasse ab und waren fuer uns alleine. Der Weg fuehrte fast 1000 Hoehhenmeter einen mit Berg durch eine jungelartige Lanschaft hinauf. Auf der anderen Seite des Bergs erwartete uns eine wundervolle Huegellandschaft voll mit gruenen Reisfeldern und Haeusern in der traditionellen Bauart. Angenehm war, dass die Leute uns meistens, im Gegensatz zu Zentralasien kaum beachteten und uns nicht anstarrten als kaemen wir von einem anderen Planeten. Nach zwei Tagen begannen wir unsere Abfahrt aus den hoeheren Regionen in Richtung Terrai; die an Indien angrenzende Grasebene. An einem Tagen verloren wir ueber 2000 Hoehenmeter. Der Weg fuehrte uns zuerst durch eine alpine Waelder, dann durch dichten Tropenwald und anschliessend ins offene Grasland. In Chitwan angekommen machten wir das komlette Touristenprogramm mit: ein Ritt auf einem Elefanten durch den Jungle, ein Besuch im Elefantenaufzuchtzentrum, ein Trip mit einem Kanu, eine gefuehrte Wanderung durch den Jungle und als Highlite: Baden mit den Elefanten. Dabei sitzt man auf dem Ruecken eines Elefanten der sich dann in einen Fluss stellt und einen mit seinem Ruessel mit Wasser nass spritzt. Zur Belustigung aller Zuschauer versucht der Elefant danach die Personen durch knien und anschliessendem rollen die Personen von seinem Ruecken zu werfen. Was auch schnell gelingt und man mit einem Klatsch im Fluss landet. Dann Wieder auf den Elefanten zu klettern ist alles andere als einfach: die Stroemung zerrt an einem und Elefantenhaut biete keine Moeglichkeiten sich fest zu halten... Es ist extrem anstrengend, macht aber tierischen Spass.

Da wir unter Zeitdruck standen, sind wir von chitwan aus mit dem Bus nach Pokhara gefahren. Dort haben wir uns mit Bijan getroffen und haben bbei seiner Familie uebernachtet, wo wir einmal mehr mit der nepalesichen Gastfreundschaft verwoehnt und koeniglich bekocht worden. Ueberall in Nepal assen wir sehr leckeres, gesundes Essen mit einer Menge Gemuese und Gewuerzen. Doch nirgendwo war das Essen so gut wie bei den Familien die fue unss kochten. Hier wird noch mit viel Zeit, Sorgfalt und Liebe gekocht. Und das schmeckt man.

Von Bijans Familie aus fuhren wir nur wenige Kilometer nach Begnas Tal dem Vipassana Meditationszentrum, gelegen oberhalb eines See mit Blick auf schneebedeckte Berge im Hintergrund. Dort verbrachten wir zehn Tage im Schweigen. Um die vipassana Meditationstechnik zu erlernen, meditierten wir jeden Tag zehn stunden. Wir waren darauf vorbereitet, dass es hart werden wuerde - mental. Wir waren jedoch ueberrascht wie hard es phhysisch war. Da wir waehrend des Meditierens auf dem Boden sitzen mussten, war Marios Hintern extrem wund und Sheri hatte ein geschwollenes Knie. Am Ende brauchten wir laenger, um uns von der Meditation zu erholen, als wir es nach dem Trip durch Kirgistan waren. Dennoch war es eine sehr interessante Erfahrung.

Nachdem wir vom Schweigen und Sitzen befreit waren, flogen wir fuer eine drei Wochen lange Wanderung zum Everest Base Camp in die Khumbu-Region. Wir tauschten unsere Fahrradtaschen gegen einen Rucksack ein, schlossen uns den Massen von Touristen an und genossen den landschaftlich atemberaubenden und mindestens genauso abenteuerlichen Flug in die Berge nach Lukla (die Landung erfolgt auf einer nur 500 Meter langen Lande- und Startbahn, an derem einen Ende sich ein 600 Meter tiefer Abhang und an anderen Ende eine Betonmauer befindet). Von Lukla aus wanderten wir durch bezaubernde Taeler, ueber zwei 5300 Meter Hohe Paesse (Renjo la und Cho la), zu zwei 5500 und 5600 Meter hohen Aussichtpunkten (Gokyo Ri und Kala Phattar), zum Everet Base Camp (5300 Meter) und anschliessend ins tiefer gelegene Tengboche, wo wir in einem buddhistischen Kloster ein drei Tage langes Festival namens Mani Rimdu sahen. Dieser Trel war der atemberaubendste, den wir bisher unternommen haben. Egal wohin man schaute, man hatte atemberaubende Aussichten auf die Berge des Himalayas und die Landschaft aenderte sich je hoeher wir stiegen: Angefangen mit Rhodedenderen und Birken Waeldern bis hin zu mondaehnlichen und Gletscherlandschaften, weit oberhalb der Baumgrenze. Auf einem 5600 Meter hohem Berg zu stehen und Mt. Everest (der von den einheimischen Volkstamm der Sherpa Chomalungma genannt wird,) Lhotse etc. die nur einen steinwurf entfern sind bei Sonnenuntergang zu sehen ist unbeschreiblich. Gleichfalls unbeschreiblich war zu sehen mit wieviel Ladung die Traeger beladen waren. Wir haben gehoert, dass sie bis zu 100kg auf ihrem Ruecken den Berg rauftragen. Da es hier keine Strassen gibt, wir alles von ihnen getragen: Reis, kistenweise Bier fuer die Touristen, Gepaeck von Touristen und selbst einige Quadratmeter grosse Holzplatten. Waehrend wir uns mit unseren insgesamt 25kg Gepaeck den Berg hinaufschleppten, ueberholten uns die Porter in einem Tempo, dass wir dachten wir stehen.

Das Mani Rimdu Festival endete am 5h November und brachte unsere Zeit in der Khumbu Region zu Ende. Wir brauchten zwei weitere Tage um von Tengboche aus ueber Namche Bazar nach Lukla zu gehen. In Namche verabschiedeten wir uns von den Besitzern der Pumori Lodge. Eine ueberaus nette Familie, die wir durch eine Freundin von Bryan kennen gelernt haben. Von Lukla aus flogen wir nach Katmandu. Ein weiterer atemberaubender Flug, bei welchem die rund 20 Passagiere groehlten und klatschen, nachdem das Flugzeug von der Landebahn abhob.

Die letzten Tage in Nepal verbrachten wir damit die Sehenswuerdigkeiten in und um Katmandu zu erkunden, die Zeit mit Freunden zu verbringen und Rama hat uns beigebracht wie man ihre unbeschreiblich leckeren Gerichte kocht. Wir haetten noch einige Monate in Nepal bleiben koennen, aber mit nur noch einem Monat Zeit um auf die Philippinen zu kommen, mussten wir uns leider auf den Weg machen. So flogen wir am 20. November nach Bangkok (wir entschlossen uns zu fliegen, da es nicht erlaubt ist mit dem Fahrrad nach Burma zu fahren), von wo aus wir Thailand erkunden werden.