The slow lane



Südthailand, 21. November 2009 - 16. Dezember 2009


Wir waren beide überrascht, wie modern Bangkok ist. Es gibt zahlreiche Malls mit allem technischen Schnick-Schnack den man auch in westlichen Einkaufzentren findet, Geschäfte wie Armani, Hugo Boss und Co sind ebenfalls zu finden. Über die überfüllten Strassen führt eine moderne Schienenbahn, um das Verkehrschaos in Grenzen zu halten, meterhohe Leuchtreklamen erhellen am Abend die Strassen. Wenn man gerade aus Nepal kommt wo die Strassen schmuddelig sind, ein kleiner Shop neben dem anderen ist und abendliche Stromausfälle ganze Stadtviertel verdunkeln, werden in Bangkok schnell alle Sinne überflutet.

Um dem Verkehrschaos in Bangkok zu entgehen, nahmen wir den Zug und fuhren bis nach Hua Hin. Von dort aus radelten wir in Richtung Süden, entlang der Ostküste Thailands. Die Strassen sind gut asphaltiert und haben breite Seitenstreifen, Die Hauptstrassen jedoch waren recht stark befahren und es gab nicht viel zu sehen. Wir passierten eine Menge Fischfarmen sowie Kautschuk- und Palmölplantagen. Wo immer es möglich war versuchten wir auf kleine Seitenstrassen auszuweichen doch die waren nicht immer leicht zu finden und die Navigation war aufgrund fehlender Schilder nicht immer einfach.

An einem Tag, als wir durch eine mit Shrimpfarmen und Kalkstein geprägten Landschaft fuhren, hatten wir unseren ersten platten Reifen. Das erste Mal seit unserem Start in Aachen vor 4922 km hat der extrem Widerstandsfähige Schwalbe Marathon Plus geschwächelt und einem ca. 3 cm langem Dorn nachgegeben. Dieser – sowie einige andere Dornen – lagen auf der Strasse, nachdem Arbeiter Büsche am Straßenrand getrimmt hatten. Teile dieser Büsche, unter anderem dornige Äste sind auf der Strasse gelandet. In den folgenden Stunden sollten wir noch drei weitere platte Reifen flicken müssen. Alle verursacht durch die auf der Strasse liegenden Dornen. So kam es, dass wir von null platten Reifen in 4922 Km auf vier an einem Tag kamen!

Innerhalb weniger Tagen kamen wir nach Chumpon, von wo wir aus am Morgen ein Boot nach Ko Tao, einer wundervollen Insel die im Golf von Thailand gelegen ist, gefahren sind. Das Boot legte an der ziemlich überfüllten Westseite der Insel an. Um der Party-Seite zu entgehen, radelten und schoben wir in nahezu unerträglicher Hitze unsere Räder quer über die Insel. Über ausgewaschene und mit Waschbrettabschnitten versehen Strassen gelangten wir schließlich schweißgebadet an die Ostseite der Insel. Wir brauchten fast eine Stunde für die vier Kilometer, doch das war es wert: diese Seite der Insel war wesentlich ruhiger und hatte das beste Schnorchelgebiet der Insel. Für drei Tage lang entspannten wir, gingen schnorcheln und tauchen.

Wir verließen die Insel mit der Übernachtfähre nach Surat Thani. Nach einer ruhigen Nacht mit ruhiger See erreichten wir den Hafen um vier Uhr am Morgen, wo wir unsere Räder bepackten und noch im Dunkeln starten. Wir fuhren in Richtung Krabi, an der anderen Küste. Wir hatten ausgerechnet, dass wir ungefähr drei Tage brauchen würden. Die Strassen waren eben, hatten einen guten Belag und es war kaum Verkehr. Ausser Kautschuk und Palmölplantagen gab es allerdings nichts zu sehen. Durch unseren frühen Start erreichten wir unser Tagesziel bereits vor Mittag. Nach einer kurzen Pause jedoch setzten wir unseren Weg fort. Die Kilometer flogen so an uns vorbei und am späten Nachmittag entschieden wir uns noch an diesem Tag weiter ach Krabi zu fahren. Nach über 170 Kilometern an diesem Tag erreichten wir müde aber glücklich unser Ziel.

Von Krabi aus fuhren wir mit einem Boot nach Phi Phi Island um zu entspannen und tauchen zu gehen. Bereits bei der Anreise waren wir geschockt: Phi Phi glich einer Partystadt wie Loret de Mar in Spanien. Die Strassen waren eng und überfüllt mit kleinen Souveniergeschäften, Guesthouses, Bars etc. Wir sahen sogar Schilder die die Besucher warnten vernünftig mit dem Alkohol umzugehen. Am Abend dröhnte überlaute Musik aus den Bars und am Strassenrand gab es den Partymix zu kaufen: einen Plastikeimer mit einer Flasche Rum und einer Flasche Cola. In den kleinen Strassen standen Angestellte einer Tauchbasis mit einem Bier in der Hand und versuchten vorbeigehende Touristen als Kunden zu gewinnen. Von Ruhe und Entspannung keine Spur.

Fern von all dem Trubel haben wir die Blue View Divers gefunden, eine großartige kleine Tauchbasis mit denen wir zwei wundervolle Tauchgänge machten, auf denen wir neben vielen Korallen, ein Vielzahl von Fischen sogar Schildkröten und Black Tip Haie gesehen haben. Vom Tauchboot aus (ein umgebautes Longtailboat) konnten wir auch einen Blick auf die Mayabucht (die Bucht auf welcher der Film „The Beach“gedreht wurde) werfen. Auch diese war alles andere als idyllisch: Ja, der Strand ist wundervoll gelegen, umgeben von Kalksteinformationen. Doch mehr als ein dutzend Speedboote lagen vor dem Strand und weitere kamen unter dem lauten aufheulen der Motoren angefahren oder jagten die Bucht entlang. Auf dem Strand war nahezu kein Platz mehr für ein weiteres Handtuch. Ein ganzer Haufen von mit Schwimmwesten und Schnorchel bewaffneten Touristen hingen auf der Wasseroberfläche auf einem Fleck, alle auf die gleiche Koralle starrend.

All diese Eindrücke führten dazu, dass wir keine von den angepriesenen Bootstouren mehr machten sondern schon nach nur einem Tag diese landschaftlich wundervolle Insel verließen

Zurück in Krabi waren wir die nächsten Tagen damit beschäftig weitere Vorbereitungen für unsere Hochzeit auf den Philippinen zu treffen, welche zu diesem Zeitpunkt nur noch gut einen Monat entfernt war. So verbrachten wir Tage damit im Internet zu surfen, Emails zu schreiben und Sachen zu organisieren. Von Krabi aus fuhren wir weiter nach Süden in Richtung Kuala Lumpur, wo wir für Mitte Dezember einen Flug auf die Philippinen gebucht hatten. Als uns die Zeit davon lief, waren wir gezwungen einen Bus für den Rest der Strecke zu nehmen.

Alles in allem war Thailand eine ziemlich heiße Erfahrung. Die Sonne schien gnadenlos auf uns und wir schütteten literweise Wasser in uns hinein. Manchmal fanden wir Eis, dass wir in unsere Fahrradflaschen füllen konnten, sodass das Wasser zumindest für einige Zeit angenehm kühl blieb. Wenn wir am Abend unser Tagesziel erreicht hatten, befand sich auf unseren Armen und Beinen eine Salzkruste. Das positive an Thailand war, dass wir immer kleine Restaurants und Essensstände gefunden haben, an denen wir sehr leckeres Essen bekommen haben. Wir liebten die Nachtmärkte, auf denen man an kleinen Ständen unbeschreiblich leckeres Essen wie frische Meeresfrüchte, Gemüse, Curries, Fruchtshakes etc. bekommt. Übernachtet haben wir oft in Klöstern, in denen wir meistens unser Zelt im Garten aufschlagen durften. In einem Kloster wurden wir von den Mönchen zu mehreren Mahlzeiten eingeladen, bekamen noch ein Lunchpaket und waren sogar Teil einer Morgenzeremonie. Diese Mönche waren extrem großzügig und freundlich zu uns.

Nachdem wir unseren Weg durch Thailand geschafft haben, haben wir uns auf den Weg auf die Philippinen gemacht. Auch hier unglücklicher Weise wieder mit dem Flugzeug. Wir wollten eine Fähre nehmen, doch selbst in einem Teil der Erde, der aus tausenden von Inseln besteht, gibt es nahezu keine internationalen Fähren. Daher nahmen wir das Flugzeug um von Kuala Lumpur auf die Philippinen nach Manila zu kommen.